Jahresempfang der Wirtschaft 2018 – Kammerpräsident Edgar Wilk kritisiert Dokumentationsflut

Zum diesjährigen Jahresempfang der Wirtschaft warnt der Präsident der Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz, Edgar Wilk, vor den Folgen einer ausufernden Bürokratie für die Freien Berufe und mittelständische Unternehmen. Dabei kritisiert er unter anderem eine Reihe von aktuellen Rechtsvorschriften, die jeden noch so kleinen Arbeitsschritt bei der Berufsausübung dokumentiert sehen wollen. „Dadurch werden Unternehmen und Freiberufler unnötig behindert. Hier muss dringend auf die Bremse getreten werden. Jede neue Dokumentationspflicht lässt den Bürokratieaufwand größer werden“, erklärt Wilk.

Ein Beispiel für diese kritische Entwicklung sind nach Auffassung Wilks die Grundsätze zur ordnungsgemäßen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff (GoBD). Darin wird in 184 Punkten detailliert aufgelistet, wie die Abläufe in der Buchhaltung vonstattengehen und die Arbeitsschritte im Betrieb dokumentiert werden müssen. „Wer gedacht hat, dass die Umstellung auf elektronische Unterlagen die Arbeit vereinfacht und beschleunigt, der hat die Rechnung ohne die Bürokratie gemacht“, meint Wilk.

Ähnlich kritisch beurteilt Wilk auch die Dokumentationspflichten des neuen Geldwäschegesetzes (GwG). Besonders betroffen sind hierbei Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer. Sie müssen umfangreich analysieren, ob in ihren Kanzleitätigkeiten Risiken im Hinblick auf Geldwäsche vorhanden sind und diesen Vorgang genau dokumentieren. „Neben dem großen bürokratischen Aufwand droht den Betroffenen bei Nicht-Befolgen der Richtlinien eine unverhältnismäßige Strafe. Hier schießt der Gesetzgeber über das Ziel hinaus.“

Doch der Ärger über zu viel Bürokratie hat nach Auffassung Wilks noch ganz andere Nebenwirkungen. So stelle die Suche nach qualifizierten Nachwuchskräften inzwischen in allen Berufszweigen der Freien Berufe eine große Herausforderung dar. „Wer sich für die Freien Berufe interessiert, der will Freiräume haben, um etwas zu bewegen. Da wirkt zu viel Bürokratie einfach abschreckend“, sagt Wilk. Zwar gab es im vergangenen Ausbildungsjahr ein Plus von rund 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, doch das sei kein Ruhepolster. Der Bedarf an wissensbasierten Dienstleistungen steigt weiter an. „Wir müssen gemeinsam mit Schulen und Berufsträgern alles daransetzen, das Interesse für Freie Berufe zu wecken und die Attraktivität dieser Berufe hochhalten“, so Wilk.

Die ab 25. Mai anwendbare europäische Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) bringt ebenfalls erhebliche Dokumentationspflichten und einen damit verbundenen Bürokratieaufwand mit sich. Danach sind Unternehmen und Freiberufler angehalten, ihre Arbeitsabläufe und Prozesse so einzurichten und zu dokumentieren, dass die Verarbeitungsweise von Personendaten sowie die Erfüllung der umfangreichen Informationspflichten jederzeit gegenüber den Aufsichtsbehörden nachgewiesen werden können. Die meisten Freiberufler sind als Berufsgeheimnisträger aber ohnehin schon durch ihren Beruf dazu verpflichtet, ihre Mandanten-, Klienten- und Patientendaten vertraulich zu behandeln; einer zusätzlichen Regelung hätte es da nicht bedurft. „Die neuen Pflichten nach der DSGVO bei der Bearbeitung persönlicher Daten führen lediglich zu mehr Arbeitsaufwand und Verunsicherung der Mandanten“, kritisiert Wilk. „Diese Regelung trifft genau die Falschen, hier wäre eine Ausnahme sinnvoll gewesen.“