75 Jahre Steuerberaterverband, 65 Jahre Steuerberaterkammer und 50 Jahre Steuerberaterakademie: Drei zentrale Institutionen des steuerberatenden Berufs in Rheinland-Pfalz begehen in diesem Jahr besondere Jubiläen. Zu den Gästen der gemeinsamen Festveranstaltung in der Mainzer Mewa Arena gehörten unter anderem die rheinland-pfälzische Finanzministerin Doris Ahnen, der Präsident des Deutschen Steuerberaterverbands Torsten Lüth und der Präsident der Bundessteuerberaterkammer Prof. Dr. Hartmut Schwab, zahlreiche Bundestags- und Landtagsabgeordnete, Ehrenpräsidenten und weitere Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Berufsstand.
Im Mittelpunkt des Nachmittags stand neben dem gemeinsamen Jubiläum vor allem der Blick auf die Zukunft des steuerberatenden Berufsstands. Nicht nur die Präsidenten der Steuerberaterkammer und des Steuerberaterverbands Rheinland-Pfalz, Walter Sesterhenn und Christian Rech, betonten die Bedeutung von Zusammenhalt, fachlichem Austausch und gemeinsamer Verantwortung angesichts des tiefgreifenden Wandels, vor dem die Branche steht.
Auch Finanzministerin Doris Ahnen sieht in der Zusammenarbeit der Institutionen und der Finanzverwaltung einen guten Weg für die Zukunft: „Steuerberaterverband, Steuerberaterkammer und Steuerberaterakademie bilden gemeinsam eine solide Grundlage für einen starken Berufsstand: Durch die Vertretung der beruflichen Interessen, die Selbstverwaltung und die fachliche Bildung.
Hiermit stellen sie gemeinsam die Weichen für eine leistungsfähige und zukunftsorientierte Steuerberatung in Rheinland-Pfalz. 75 Jahre Steuerberaterverband, 65 Jahre Steuerberaterkammer und 50 Jahre Steuerberaterakademie sind dabei keine bloße Aneinanderreihung von Zahlen, sondern ein Ausdruck ihrer Erfolgsgeschichte. Dazu gratuliere ich ganz herzlich und freue mich auf die weitere gute Zusammenarbeit.“
Torsten Lüth betonte: „Ein Jubiläum wie das heutige zeigt eindrucksvoll: Wir können niemals alles beim Alten lassen! 50, 65 oder gar 75 Jahre wird man nicht, indem man stehen bleibt. Wir müssen im Umkehrschluss auch nicht jede Neuerung gut finden, nur weil sie digital ist oder jedem Trend blind hinterherlaufen. Die Stärke, die ich in unserem Berufsstand und auch in unserer Verbändegemeinschaft immer wieder beobachte, ist eine andere: langjähriges Erfahrungswissen und innovative Lösungsansätze schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Sie gehen in modernen Kanzleien Hand in Hand. Bewährtes bleibt nur so lange stark, wie wir es schaffen, es in die neue Zeit zu übersetzen. Dieses Geburtstags-Triple ist daher mehr als ein Blick zurück. Es ist ein starkes Zeichen nach vorn.“
Dr. Hartmut Schwab formulierte in seiner Ansprache auch Kritik an den derzeitigen steuerlichen Gesetzesvorhaben: „Weniger optimistisch stimmt mich die aktuelle steuerpolitische Entwicklung. In Kürze wird das Bundeskabinett über das Einkommensteuerreformgesetz 2027 beraten. Wirkliche Entlastungen wie einen Ausgleich der inflationsbedingten kalten Progression sucht man hier jedoch vergebens“, bedauert er. Zugleich warnte er: „Die Ausweitung der sogenannten „Reichensteuer“ trifft nicht nur besonders vermögende Privatpersonen, sondern auch Einzelunternehmen, Freiberufler, Personengesellschaften und zahlreiche Familienunternehmen. Eine höhere Belastung entzieht ihnen Kapital für Investitionen, in Digitalisierung und Transformation. Das kann nicht die Antwort auf die wirtschaftliche Schwäche unseres Landes sein.“
Zwischen KI, Fachkräftemangel und neuen Rahmenbedingungen
Eines schwang am Jubiläumstag besonders mit: Die Steuerberatung wird in den kommenden Jahren vor allem die Fähigkeit brauchen, neue Möglichkeiten zu nutzen und zugleich das zu bewahren, was den Beruf seit jeher auszeichnet. Künstliche Intelligenz und Digitalisierung können Routinen erleichtern und neue Freiräume für die Beratung schaffen. Doch im Mittelpunkt bleibt der Mensch: das Vertrauen zum Mandanten, die Kenntnis seiner individuellen Situation und die Erfahrung, die aus einer langjährigen Begleitung entsteht.
Damit diese Verbindung aus Fachlichkeit, Technologie und persönlicher Verantwortung auch künftig gelingt, braucht es qualifizierte Menschen. Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel machen die Gewinnung und Förderung des Nachwuchses zu einer zentralen Aufgabe. Mit der Steuerberaterakademie sowie dem gemeinsamen Engagement von Kammer und Verband verfügt der Berufsstand in Rheinland-Pfalz über wichtige Strukturen, um Wissen weiterzugeben und junge Menschen für eine anspruchsvolle und vielseitige Tätigkeit zu gewinnen.
Zugleich brauchen Steuerberater Rahmenbedingungen, die es ihnen ermöglichen, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Bürger und Unternehmen sind auf verlässliche Orientierung in einem komplexen steuerlichen und wirtschaftlichen Umfeld angewiesen. Das setzt nicht nur leistungsfähige Strukturen und möglichst einfache Verfahren voraus, sondern auch der dauerhafte Erhalt einer unabhängigen Beratung, die sich am individuellen Interesse des Mandanten orientiert.
All das, da waren sich Sesterhenn und Rech einig, kann nur im Miteinander gelingen: Der Berufsstand selbst ist ebenso gefordert wie Politik und Finanzverwaltung, und gegenseitiges Verständnis und gemeinsame Lösungsorientierung bleiben auch weiterhin wichtige Voraussetzungen für die Steuerberatung. Das gemeinsame Jubiläum von Kammer, Verband und Akademie ist damit mehr als ein Anlass, auf das Erreichte zu blicken: Es steht für einen Berufsstand, der seine Zukunft aktiv und offen für Neues gestalten will.

