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Jahresempfang der Wirtschaft 2026 – „Steuerberater brauchen Unabhängigkeit“

Anlässlich des Jahresempfangs der Wirtschaft betont der Präsident der Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz (SBK), Walter Sesterhenn, erneut die besondere Bedeutung der Unabhängigkeit in der Steuerberatung. Am Empfang in der Mainzer Rheingoldhalle nahm auch Jean-Claude Juncker, der ehemalige Präsident der Europäischen Kommission, teil. Sesterhenn hebt die Unabhängigkeit der Freien Berufe als schützenswertes und hohes Gut hervor, sowohl auf Bundesebene als auch innerhalb der Europäischen Union. „Die Grundwerte der Steuerberatung in Deutschland sind Vertraulichkeit, Unabhängigkeit und Vertrauen“, sagt er. Fremdbesitz lasse unter Umständen einen Konflikt zwischen beruflicher Verantwortung und renditeorientierten Interessen entstehen.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat unlängst den Ausschluss von Fremdbesitz in den Freien Berufen bestätigt. In einem gemeinsamen Appell unterstützen mehrere Kammern diese Entscheidung: „Die Unabhängigkeit freier Berufe muss auch in Zukunft gewahrt bleiben und ihre Gemeinwohlverpflichtung gestärkt werden“, heißt es in dem Positionspapier, das unter anderem von der Bundessteuerberaterkammer, dem Deutschen Steuerberaterverband, der Bundesärztekammer, der Bundesingenieurkammer und der Bundesrechtsanwaltskammer verfasst wurde.

„Die Unabhängigkeit unseres Berufsstandes ist essenziell für eine qualitätsorientierte, objektive und ausschließlich dem Mandanteninteresse verpflichtete Beratung. Kapitalbeteiligungen berufsfremder Investoren können diese Grundwerte gefährden“, erklärt Sesterhenn. Auch in der Steuerberatung müssten Mandanten sicher sein dürfen, dass sie unabhängig und frei von Investoreninteressen beraten werden und dass ihre sensiblen Daten und Belange geschützt sind. Rein finanzielle Beteiligungen Dritter an Steuerberaterkanzleien seien daher gründlich zu prüfen und mit Achtsamkeit zu gestalten. Alle Interessen, Chancen und Risiken gelte es vor diesem Hintergrund sorgfältig abzuwägen.

Sesterhenn mahnt zudem vor nachteiligen Signalen auf europäischer Ebene: „Der deutsche Berufsstand der Steuerberatung, geprägt durch berufliche Selbstverwaltung und hohe Qualifikationsstandards, muss im europäischen Kontext gestärkt werden. Nur so kann auch international die Sicherheit gewährleistet bleiben, auf die Unternehmen bei Investitions- und Standortentscheidungen angewiesen sind.“

Seit Jahren sehen sich viele Unternehmen mit zunehmender Unsicherheit konfrontiert: Steuerliche und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen verändern sich immer wieder, Gesetzgebungsverfahren ziehen sich oft über Monate hin, steuerliche Entlastungen werden nur unzureichend umgesetzt. Diese Situation erschwert betriebswirtschaftliche Entscheidungen erheblich. Zusätzlich haben Unternehmen mit zunehmender Bürokratie, höherem Aufwand und oftmals unklaren Anwendungsvorgaben zu kämpfen. Planungssicherheit und klare Orientierung sind daher wichtiger denn je.

Der unabhängige Steuerberater ist für Unternehmen ein unverzichtbarer Stützpfeiler. „Steuerberaterinnen und Steuerberater stärken als Organ der Steuerrechtspflege die Wirtschaft, schützen Mandanten und sind, unabhängig auch gegenüber staatlichen Institutionen wie der Finanzverwaltung, eine wesentliche Säule unseres Rechtsstaates“, fasst Sesterhenn zusammen. „Jene Werte, die den Berufsstand seit Jahrzehnten prägen, müssen auch in Zukunft sicher erhalten bleiben.“