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Steuerberaterkammer und Finanzverwaltung setzen auf Dialog und gemeinsame Verantwortung

Finanzstaatssekretär Fedor Rose spricht mit Kammerpräsident Walter Sesterhenn über Zusammenarbeit und Zukunft – für eine starke Wirtschaft im Land

Wenn es um die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Rheinland-Pfalz geht, sitzen die Finanzverwaltung und der steuerberatende Berufsstand an einem Tisch. Als Gast der diesjährigen Kammerversammlung der Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz (SBK) sprach Finanzstaatssekretär Fedor Rose mit Kammerpräsident Walter Sesterhenn über aktuelle Herausforderungen und Zukunftsaufgaben. Vor zahlreichen Steuerberatern fokussierten sie insbesondere das gemeinsame Ziel, für Unternehmen und Bürger verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

Kammerpräsident Walter Sesterhenn unterstrich die besondere Qualität der Zusammenarbeit im Land: „Rheinland-Pfalz zeichnet aus, dass Finanzverwaltung und Steuerberater miteinander im Gespräch bleiben, auch wenn unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Dieses vertrauensvolle Miteinander hilft dabei, praxisnahe Lösungen zu entwickeln und Veränderungen im Interesse der Unternehmen, Bürger und unserer gesamten Wirtschaft erfolgreich zu gestalten.“

Das Gespräch behandelte zentrale Zukunftsthemen des Berufsstands und der Finanzverwaltung. Dazu gehören die fortschreitende Digitalisierung, die Modernisierung staatlicher Strukturen und die Frage, wie steuerliche Verfahren effizienter und zugleich einfacher gestaltet werden können. Die Steuerberater sehen sich dabei als aktive Partner einer modernen Verwaltung und bringen ihre Erfahrungen aus der täglichen Begleitung von Unternehmen und Mandanten in diesen Prozess ein.

Vieles habe man bereits gemeinsam erreicht, doch gerade mit Blick auf die Bedürfnisse und Herausforderungen der Mandanten bestehe auch in vielen Bereichen weiterhin Handlungsbedarf, betont Sesterhenn.

Ein starkes Signal für die gegenseitige Verantwortung sei die Unterstützung des Landes beim Erhalt des Fremdbesitzverbots an Steuerberatungsgesellschaften. Es sei sowohl im Sinne der Mandanten als auch der Finanzverwaltung und der Steuerberater, wenn diese ihre Beratungsleistungen unabhängig von rein monetären Interessen etwaiger Finanzinvestoren erbringen könnten. Die Modernisierung der Steuerberaterprüfung werde ebenfalls von beiden Seiten getragen. Ziel sei, die Qualität der steuerlichen Beratung langfristig zu sichern und die stützenden Säulen des Berufsstandes wie Unabhängigkeit und unbedingte Verschwiegenheit zu bewahren.

Besonders hervor hob Sesterhenn die Bedeutung regionaler Strukturen innerhalb der Finanzverwaltung. Rheinland-Pfalz habe mit den regelmäßigen Klimagesprächen zwischen den einzelnen Finanzämtern und Vertretern der SBK einen Weg gefunden, im direkten Austausch vor Ort gegenseitiges Verständnis, kurze Abstimmungswege und Lösungsorientierung zu erreichen. Gerade in Zeiten tiefgreifender Veränderungen zeige sich, wie wertvoll persönliche Ansprechpartner und gewachsene regionale Netzwerke seien. Sie ermöglichten es, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen, pragmatische Lösungen zu entwickeln und ein Arbeitsklima zu schaffen, das von Respekt und gegenseitiger Wertschätzung geprägt ist.

Die Kammerversammlung machte damit deutlich: Die enge Zusammenarbeit von Steuerberaterkammer und Finanzverwaltung ist in Rheinland-Pfalz weit mehr als ein institutioneller Austausch. Sie ist ein wichtiger Baustein für wirtschaftliche Stabilität, Bürokratieabbau und eine moderne Verwaltung, die den Menschen und Unternehmen im Land dient.

Im Anschluss an den fachpolitischen Austausch richtete die Kammerversammlung den Blick bewusst auf die Zukunft des Berufsstands und den Umgang mit Veränderungsprozessen. In seinem Vortrag „Vom Hadern zum Handeln“ gab der Transformationspsychologe und Zukunftsforscher Dr. Carl Naughton Impulse für den Umgang mit Wandel und Unsicherheit. Mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und praxisnahen Beispielen machte er deutlich, dass Zukunftsfähigkeit nicht allein eine Frage von Technologien oder Strukturen ist, sondern vor allem der Bereitschaft, neue Wege zu denken und zu gehen.

Dieser Blick nach vorn entspricht auch dem Selbstverständnis der Steuerberatung in Rheinland-Pfalz: Digitalisierung, moderne Verwaltungsprozesse und Weiterentwicklung prägen einen Berufsstand, der Veränderung nicht abwartet, sondern aktiv mitgestaltet. Dazu gehört auch die Nutzung Künstlicher Intelligenz. Sie unterstützt Steuerberater dabei, Wissen schneller verfügbar zu machen, Daten effizient auszuwerten und Prozesse zu vereinfachen. Unverzichtbar bleibt jedoch die persönliche Beratung: Die langjährige Erfahrung, die individuelle Kenntnis der Mandanten und das zum Teil über Generationen hinweg gewachsene Vertrauensverhältnis lassen sich nicht digitalisieren. Gerade die ganzheitliche Begleitung bei unternehmerischen und persönlichen Entscheidungen erfordert menschliches Urteilsvermögen und einen Blick für die Besonderheiten des Einzelfalls. Künstliche Intelligenz kann den Berufsstand unterstützen; ersetzen kann sie ihn nicht.